Mein Name ist Herbert. Ja, ganz offiziell. Nach einigem Hin und Her wurde mein Name vergangenen Freitag feierlich verkündet – ein großer Moment, selbst für einen wie mich. Zu verdanken habe ich ihn einer kreativen Schülerin der Carl-Orff-Grundschule, die beim Namenswettbewerb in der Adolf-Reichwein-Bibliothek den ersten Platz belegt hat. Herbert also. Ich finde, das passt hervorragend.
Zur Feier des Tages gab es sogar eine kleine Veranstaltung: Heiko Werning von Citizen Conservation war zu Besuch und brachte sein Sachbuch über Reptilien mit. Gemeinsam mit einer neugierigen 3. Klasse tauchten wir tief in die Welt meiner Artgenossen ein. Die Kinder lauschten aufmerksam – und Heiko Werning staunte nicht schlecht über das beeindruckende Wissen, das die Kinder bereits über Reptilien und Amphibien mitbrachten. Ich muss sagen: Eine ziemlich clevere Truppe.
Falls Sie mich noch nicht kennen – was ich kaum glauben kann – dann haben Sie vermutlich meinen Fernsehauftritt verpasst. Der rbb hat nämlich schon einen Beitrag über mich gedreht. Ein bisschen Ruhm gehört schließlich dazu, wenn man so etwas Besonderes ist wie ich.
Ich bin ein Mauritius-Taggecko, wissenschaftlich Phelsuma guimbeau, und tatsächlich der einzige behördlich zugelassene Bibliotheksgecko in Berlin. Eine echte Rarität also. Leider auch im weniger schönen Sinne: Ich gehöre zu den letzten meiner Art. Umso wichtiger ist es, auf den Schutz unserer Lebensräume aufmerksam zu machen.
Seit November letzten Jahres lebe ich in einem großzügigen Terrarium in der Bibliothek. Ursprünglich war ich nicht allein – mein Bruder war auch dabei. Aber zwei Männchen auf engem Raum? Das konnte nicht gut gehen. Kurz gesagt: Er musste ausziehen. Seitdem habe ich das Terrarium für mich allein und warte nun auf weibliche Gesellschaft, um einen Beitrag zum Erhalt meiner Art zu leisten.
Bis dahin übernehme ich meine Rolle als Botschafter des Artenschutzes – und, wenn wir ehrlich sind, auch als heimlicher Star des Kiezes. Meine Autogramme sollen angeblich schon zu stolzen Preisen im Umlauf sein. Ich kommentiere das nicht weiter.
Wenn Sie mehr über mich erfahren möchten, schauen Sie doch einfach in der Adolf-Reichwein-Bibliothek vorbei. Das freundliche Team vor Ort erzählt Ihnen gern meine Geschichte – und vielleicht begegnen Sie mir ja sogar persönlich.
Ich freue mich auf Ihren Besuch.
Herbert



