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Würfel mal auf Bibliotheksnutzung! – Wie funktioniert Pen&Paper?

Dieser Beitrag ist eine Auseinandersetzung mit meinem Hobby „Pen&Paper-Rollenspiele“, mit dem ich mich sehr intensiv beschäftige. Der Text beinhaltet auch Anlaufstellen, Erklärungen sowie Ratschläge für das Hobby. Ich wünsche viel Spaß!

Eine Brise zieht über das Land; sie lässt Euch das salzige Meer auf der Zunge schmecken und den Duft der umgrenzenden Rosenfelder einatmen. Seite an Seite sitzt Ihr in einer mit Weinreben gravierten schön verzierten Gondel aus edlem Holz. Vor Euch steht ein großer dünner Mann, der mit einer langen Stake die Gondel sicher durch das glasklare, türkise Wasser treibt. Über der Stadt wabert noch dichter Nebel; als läge sie noch in einem tiefen Schlaf.
Nepolemo Flitterer: Der leicht tollpatschige und übermüdete Gondolier gibt den Gästen kurz vor Ankunft zitternd einen Umschlag im Namen ihres Gönners und Gastgebers Tedeo. Sie erhalten dazu einen Brief mit Karte, der fast im Wasser landet. Nepolemo freut sich ganz besonders über die Rückkehr in der Stadt, da er nun seinen zweiten morgendlichen Kaffee zu sich nehmen kann. Er reibt sich oft über die müden Augenlider, seufzt leise. Anscheinend leidet er ein wenig unter Liebeskummer und schläft daher wenig. Mehr verrät er allerdings nicht. Nach und nach lichtet sich der Nebel; die Helden kommen dank des Gondoliers im Herzen der Stadt an: dem Stadtteil Belenora. Zum Duft der Rosen gesellen sich bald weitere exotische Eindrücke: Lavendel, Nelken, Gewürzgeruch werden mit dem seichten Sommerwind hergetragen

Das hört sich doch nach einem schönen Geschichtsanfang an, nicht wahr?

Was du hier gerade gelesen hast, war der Anfang eines sogenannten „Pen&Paper“-Abenteuers (im Beitrag als „P&P“ abgekürzt). Diese Geschichten haben einen ganz besonderen Clou. Sie sind nämlich wie ein Spiel aufgebaut, um genauer zu sein wie ein Rollenspiel. Das Spiel wird meist von zwei Parteien gespielt, auf der einen Seite ist ein*e Spielleiter*in und auf der anderen die Spieler*innen. Das Ziel des Spiels ist schwer zu definieren, denn es gibt nicht wirklich eines – vielleicht dass die Spieler*innen von der Geschichte gefesselt wurden und sie mehr von der Welt erfahren wollen oder dass etwas für das echte Leben mitgenommen werden konnte. Anders gesagt, es geht nicht darum, wer am Ende die meisten Gegner*innen erlegte oder die meisten Goldstücke fand. Primär ist der Spaß innerhalb der Gruppe wichtig und die gemeinsame Zeit dabei zu genießen.

Aber zur Erklärung dieses Hobbys fange ich am besten von vorne an:

Was ist mit Rollenspiel gemeint?

Das Rollenspiel im P&P beruht auf der Verkörperung von oft fiktiven Charakteren. Beide Spielparteien verkörpern die geschichtsrelevanten Figuren in der Handlung, wobei Spieler*innen oftmals nur ihren eigenen Charakter verkörpern, damit sie sich besser in ihre*n Held*in, Schurk*in etc. hineinversetzen können. Ein*e Spielleiter*in erzählt nicht nur die Geschichte sonders spricht auch für alle anderen Charaktere, sogenannte Nicht-Spieler-Charaktere. Dabei sind unterschiedliche Stimmlagen, besondere Betonungen, aber auch Sprachfehler oder Dialekte Teil davon, die Welt immersiver zu gestalten.

Was benötige ich zum Rollenspielen?

Stifte und Papier

Um die Charaktere festzuhalten, werden die namensgebenden Materialien, Stifte und Papier, hinzu geholt. Es entsteht damit ein Charakterbogen – Name, Herkunft und ein selbstgemaltes Bild gehören zur Standardausstattung eines solchen. Da ein Charakterbogen nicht nur einem Personalausweis gleicht, werden auch Sachen, die der Charakter kann oder nicht kann, festgehalten – Fertigkeiten, Begabungen oder auch Einschränkungen werden notiert.

Fantasie

Nein wirklich, denn genau das ist der Reiz bei P&P. Zwar geben Spielleiter*innen mit ihren Erzählungen eine Menge der Weltstruktur vor, jedoch können die Lücken von jede*r Spieler*in selbst gefüllt werden und auch Teil des Geschichtskanons werden. Außerdem erwähnte ich bereits, dass Geschichten jedes Genres vorkommen? – Menschen sind also nur eine der vielen Spezies, die es in solchen Abenteuern zu spielen gibt.

Geschichten

Jetzt schreibe ich schon die ganze Zeit von P&P, erwähnte aber noch nicht, das es einen regelrechten Markt für diese Geschichten gibt. Unter „Regelwerk“, „Abenteuerband“, „Einsteigerset“ und vielen weiteren Begriffen sind Produkte zu finden. Manchmal sind es Geschichten, manchmal sind es Anleitungen, um den Geschichten mehr Tiefgang zu bieten u.a. durch Spielmechaniken mit Würfel, Figuren oder Kartenelemente. Oft sind diese für einen schmalen Taler in digitaler Form erhältlich, Liebhaber*innen greifen tiefer in die Tasche für dekorative Gestaltung. Natürlich gibt es auch in unseren VÖBB-Bibliotheken Werke, die den Themenbereich des P&P abdecken – z.B.:
https://www.voebb.de//aDISWeb/app?service=direct/0/Home/$DirectLink&sp=SPROD00&sp=SAK14053339
Die entsprechenden Bücher sind sowohl in der Medienart „Buch“ als auch unter „Konventionelles Spiel“ zu finden.

Gleichgesinnte

Es gibt Geschichten, die darauf ausgelegt sind, sie alleine zu spielen, doch in der Mehrheit sind vor allem Gruppenabenteuer vertreten – für diese braucht man selbstverständlich Gleichgesinnte. Meine Erfahrung zeigte mir: Mit 4-5 Menschen am Spieltisch macht es am meisten Spaß.

Zusatzmaterial

Essen und Getränke, am besten an das Abenteuer angepasst, helfen nicht nur Spieler*innen die Immersion aufrecht zu erhalten, sie werden auch gut und gerne in das Abenteuer eingebaut und sorgen für Gesprächsstoff am Tavernentisch.
Was spricht gegen einen Kunstbart, den der Spieler des Vollbartzwerges trägt, um seiner Darstellung das gewisse Etwas zu geben? Mit diesem Punkt möchte ich nur erwähnen, dass dieses Hobby sich wenig Grenzen setzen möchte.

Organisiationen

Hier möchte ich noch ein paar Organisationen nennen, die sich intensiv mit dem Thema Rollenspiel auseinandersetzen:

OrkenspalterTV – Ein deutsches Projekt welches sich mit „Pen and Paper, LARP, Comics und alles, was so richtig, richtig nerdig ist.“ beschäftigt. Verlinkt ist hier sowohl deren Hauptseite als auch der von ihnen erstellte Videoessay „Was ist Pen and Paper-Rollenspiel? Ein Crash-Kurs für Einsteiger (2020)“
Homepage Orkenspalter-TV         Youtube Video

How to be a Hero – Ein deutsches Projekt welches das P&P-Rollenspiel hürdenarm macht. Einsteiger*innen empfehle ich das kostenlose und leicht zu erlernende Regelwerk – mit demselben Namen. Die Ersteller*innen sind schon lange an der Entwicklung von Rollenspielen beteiligt und können auch qualitativ mit gebührenpflichtigen Systemen mithalten. Bekannt wurde es durch Abenteuer auf dem Onlinefernsehsender Rocketbeans.tv – Sie bieten nicht nur Regelwerk und Abenteuer, die Plattform gibt auch Autor*innen eine Chance, ihre eigenen Werke zu veröffentlichen und diese von einer Redaktion kontrollieren zu lassen. Über soziale Netzwerke ist es einfach, Menschen zu finden, die Gruppen suchen oder ihre eigene Gruppe anbieten wollen.
Homepage How to be a Hero      Rocketbeans P&P-Programm

Dieser Beitrag wurde erstellt von Max, Auszubildender im 1. Ausbildungsjahr.

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