Rezension zu „Die Erfindung des Lebens“ von Hanns-Josef Ortheil

Rezensiertes Buch

Ein Roman mit stark autobiographischen Zügen. Erzählt wird eine Kindheit in der Nachkriegszeit in Köln. Der Ich-Erzähler spricht zunächst nicht, da seine Mutter aufgrund schrecklicher Ereignisse verstummt ist. Er findet vielmehr eine Ausdrucksmöglichkeit über das Klavierspiel, lernt später mühsam mit Hilfe seines Vaters das Sprechen wieder und emanzipiert sich Stück für Stück von seiner Familie.

Plastisch und atmosphärisch dicht wird der Schauplatz Köln in den fünfziger Jahren gemalt, wobei sich die Welt des Ich-Erzählers meist auf die elterliche Wohnung und die unmittelbare Umgebung beschränkt. Aus dieser engen Welt reißt ihn zunächst das Erlernen des Klavierspiels. Die Schilderungen wie ihm die Musik und das Klavierspiel eine neue Welt eröffnen, ihm eine Ausdrucksmöglichkeit geben und ihn vor geistiger Verarmung bewahren, sind sehr eindrücklich.
Am berührendsten fand ich aber die Passagen, in denen die Hauptfigur das Sprechen wiedererlernt. Dies verändert sein ganzes Wesen und geht spannenderweise mit einer Loslösung aus der symbiotischen Beziehung zu seiner Mutter einher. Gleichzeitig wird klar, wie eng Sprechen und Schreiben mit dem Denken verknüpft sind.

Andrea Tocki, Bibliothekarin

Informationen zum Buch
Titel: Die Erfindung des Lebens
Autor: Hanns-Josef Ortheil
Verlag: Luchterhand
ISBN: 978-3-630-87296-4

 

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